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Wann ist alle wirklich alle?

Seit ein paar Wochen bekomme ich regelmäßig Nachrichten von meiner Funktastatur, dass die Batterien fast leer sind. Das hat mich mal wieder angeregt, darüber nachzudenken wie viel Vorgaben von unseren technischen Hifsmittel wirklich nötig sind. Die Entwicklung geht klar zu mehr Überwachung: Batteriezustände, Füllstände oder Wartungsintervalle. An sich ist es nicht verkehrt, dass mich mein Computer darauf hinweist, dass bald der Saft für meine Tastatur endet. Aber warum muss das so früh sein? Warum warnt er mich? Reicht nicht ein Hinweis aus? Muss mich mein Computer das erste mal schon bei einer Batterieladung von 20% warnen? Über sechs Wochen und etlichen Warnungen später bin ich heute bei 4% und die Tastatur läuft immer noch. Und das bei mindestens 8 Stunden Laufzeit täglich.

 

Mir würde es völlig ausreichen, wenn mich der Computer darauf hinweist und ich dann noch 2-3 Tage Zeit hätte, neue Batterien oder Akkus zu besorgen. Bei einem Batterietausch nach der ersten Meldung hätte ich mich außerdem um eine spannende Gefühlsentwicklung gebracht: Am Anfang, den Hinweis wahrnehmend, habe ich ab der dritten Warnmeldung das Gefühl bekommen, dass es jetzt wirklich schlimm wäre, die Batterien nicht zu tauschen. Ab der 5. Warnung schlug es in ein anarchisches Denken um: „Jetzt erst recht nicht mehr!“ Nach der 10. Warnung wich es einem genugtuenden Gefühl, dass ich jetzt etwas Gutes tue und bekam eine gewisse trotzige Gelassenheit über die Dinge die noch folgen könnten: „Dann fällt halt die Tastatur aus, bis die Batterien gewechselt sind. Na und!“

Ich möchte nicht mit dem erhobenen Zeigefinger daherkommen, sondern eher zum Nachdenken anregen. Muss ich gleich bei der ersten Meldung die Batterien wechseln? Die Hersteller suggerieren einem, dass es wirklich schlimm wäre, nicht dieser Aufforderung nachzukommen. Zum Beispiel bei Druckerpatronen warnen sie vor der Eintrocknung der Düsen. Ich drucke immer bis zu dem Zeitpunkt, an dem Streifen beim Drucken entstehen und habe bisher kein Problem mit verstopften Düsen gehabt. Und das sind gefühlt mindestens 100 Seiten mehr, als zu dem Zeitpunkt, als der Drucker den Patronenwechsel vorschrieb. Man könnte es auch auf die Spitze treiben und die leere Zahnpastatube aufschneiden. In den Ecken der Tube sammelt sich immer so viel Zahnpasta, die man nicht herausgedrückt bekommt, dass man sich davon locker noch 10x die Zähne putzen kann.

 

Das Phänomen zieht sich durch viele Bereiche unseres Lebens und jeder kann für sich ein bißchen Nachhaltigkeit proben, wenn er mehr darauf achtet, alles zu Ende zu verbrauchen, bzw. leer zu machen. Wie weit man dabei geht, muss jeder für sich selbst entscheiden.

 

Enden möchte ich mit einem Zitat von Mies van der Rohe, der im 20. Jahrhundert den Minimalismus in der Architektur damit prägte. Das Zitat trifft heutzutage mehr denn je auf den Verbrauch von Energien und Materialressourcen zu:

Weniger ist mehr

Nachtrag: Nachdem die Tastatur noch 4 Tage mit 0% Batterieladung lief, ist sie am 23.04. wirklich ausgegangen. Ziemlich genau 8 Wochen nach der ersten Warnung.

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