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Tjikko - Nadel und Faden

Ein Hoch auf das Handwerk!

Heute will ich mal ein Lanze für das Handwerk brechen. Ich höre das nämlich so oft: „Ich muss mir eine neue Hose kaufen, die alte hat einen Riss!“ oder „Meine Schuhe haben fast kein Profil mehr – Zeit für ein paar neue!“

 

Natürlich kommt irgendwann alles an ein Ende, aber wäre es nicht viel schöner, wenn dieses Ende noch auf sich warten ließe? Gerade, wenn es sich um wirklich hochwertige Teile oder Lieblingstücke handelt, ist der Weg zum Schneider um die Ecke oder zum Schuhmacher gegenüber soviel besser, als der Weg zur Mülltonne.

 

Ich habe das schon so oft erlebt, dass Dinge, die ich für unrettbar kaputt hielt, für wenige Euros wieder top in Form gebracht worden sind. Sei es mein guter Meindl-Stiefel, bei dem sich nach einigen Jahren die Sohle so abgelaufen hatte, dass ich schon völlig windschief durch die Gegend gelaufen bin. Aber der Schuh selbst war ja noch top (da ich ihn ja auch gut pflege) und perfekt eingelaufen. Also hab ich ihn erst mal direkt zu Meindl geschickt. Leider war das etwas enttäuschend, denn der Hersteller war der Meinung ihn mir unrepariert wieder zurückzuschicken mit dem Hinweis, „der Schuh sei zu alt für eine lohnende Neubesohlung“. Fand ich eher uncool…

 

Also bin ich zu meinem Schuster Gloger am Rüdesheimer Platz marschiert, der jetzt aber in die Nauheimer Straße umziehen musste. Der Schuster inspizierte meine Schuhe und meinte, dass es ihm sehr, sehr leid tue (hier machte sich schon fast eine gewisse Enttäuschung in mir breit), er aber genau diese Sohlen gar nicht vorrätig habe, sondern erst bestellen müsste. Ob es wohl ein Problem für mich sei, dass die Schuhe erst übermorgen fertig werden würden?

 

Also echt! Nach zwei Tagen freute ich mich über meine neu besohlten Stiefel und darüber viel Geld für neue gespart zu haben!

 

Auch meine Schneiderin um die Ecke ist eine Wucht. Was die mir schon alles repariert hat! Gerissene Ärmel, ausgerissene Kordelzüge, kaputte Reißverschlüsse… Besonders gut fand ich, wie sie meine Lieblings-Fleecejacke, deren Ärmel von Lagerfeuer-Funken durchlöchert waren, in meine neue Lieblings-Fleeceweste verwandelte.

 

In der Regel traue ich mir schon viele Näharbeiten selbst zu, aber ab und zu stoße sogar ich an meine Grenzen. Oder auch wenn Teile nicht direkt kaputt sind, freue ich mich, dass es noch diese kleinen Handwerks-Betriebe im Viertel gibt. Zum Beispiel habe ich den Fehler gemacht, mir eine neue Jeans und einen teuren Ledergürtel zu kaufen, einen Monat bevor ich nach Verletzungspause wieder mit Sport angefangen habe. Fast schon in Teamarbeit hat mir die Schneiderin die Hose auf den Leib geschneidert und der Schuhmacher mit der Lederzange zwei neue Löcher in den Gürtel gestanzt. Nicht nur, dass ich die Klamotten wieder anziehen kann, ich freue mich auch darüber, jetzt echte Unikate zu haben!

 

Also statt sich ständig neue Sachen zu kaufen, weil die alten scheinbar kaputt sind, einfach mal zum benachbarten Betrieb gehen und es richten lassen.

 

Und das allerbeste: Ihr werdet überrascht sein, wie günstig das ist!

Das Handwerk wird um so höher stehen, je mehr und glücklicher es bemüht ist, dem Nützlichen das Schöne zu verbinden.

Heinrich Wilhelm Josias Thiersch

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